Die Verschwörungsmaschinerie boomt wiederVerschwörungstheoretiker glauben an Haiti-Verschwörungstheorie
Verschwörungstheorien nähren sich vom antisemitischen Gedankengut, schüren Ängste und sehen überall einen Komplott - eine explosive, bedenkliche Mischung.
Aus der Psychologie wissen wir: Der Homo sapiens neigt dazu, zufällige Ereignisse und Gegebenheiten in einen Kontext zwängen zu wollen. Schicksalsschläge, Unglücke und Misserfolge – das alles lässt sich leichter ertragen, wenn man einen „tieferen Sinn“ dahinter sieht. Und wer suchet, der wird auch finden – notfalls helfe man nach. Und geboren wurde die Verschwörungstheorie – und sie bekam viele, viele Kinder. Aktueller Zögling: die Haiti-Verschwörung. Verschwörungstheorie Nummer eins: Es geht um´s ÖlDie „bösen USA“ würden wieder ihr Unwesen treiben, so der Glaube der Verschwörungstheoretiker. Der Borderline-Charakter Amerikas habe seine selbstzerstörerische Wut (Anspielung auf den 11. September und die Verschwörungstheorie, Amerika hätte die Twin Towers mittels Sprengung selbst vernichtet) nun verlagert. Die Gier habe sie noch nicht im Griff, und so gehe es auch diesmal wieder um´s liebe Öl. Und weil die Amis so mächtig seien und einen schier unüberschaubaren Einfluss auf alles und jeden hätten, ließen sie kurzerhand ihre Beziehungen zu Petrus spielen – dieser, den Mächtigsten der Mächtigen treu ergeben, schickte Haiti kurzerhand ein Erdbeben ... Nein, so einfach machen sie es sich nun auch wieder nicht, die Gehirnakrobaten par excellence. Verschwörungstheorie Nummer zwei: Die Massen werden manipuliertEingeweihte wollen wissen: Die USA hätten ihre geheime Erdbebenwaffe zum Einsatz gebracht. – Genau, und die ist so geheim, dass Amerika selbst nicht weiß, dass es selbige besitzt. Aber das macht nichts, die Verschwörungstheoretiker wissen es ja und behelligen jeden, der es wissen will und mindestens genauso gerne, wenn nicht lieber, alle, die es nicht wissen wollen. Die freie Meinungsäußerung lebe hoch, hoch und dreimal hoch, auch wenn es sie laut Verschwörungstheorie eigentlich gar nicht gebe. Denn auch dessen sind sich die Verschwörungsphilosophen sicher: Es gebe weder eine wirkliche Demokratie noch eine gut funktionierende Informationspolitik. Nun ja, funktionieren tue sie schon, nur eben falsch. Außerdem weise sie einen manipulativen Charakter auf. Überhaupt werde alles, wirklich alles kontrolliert. Vor allem die Medien, die seien die schlimmsten. Die würden ständig versuchen, die Gehirnmasse eines jeden weltoffenen Nachrichtenkonsumenten zu erweichen – mittels gezielt eingesetzten (mit etwas Konfusem verseuchten) und selbstverständlich kontrollierten Informationsportionen. Verschwörungstheorie Nummer drei: Es ist der stroboskopische EffektUnd natürlich – nicht zu vergessen – der stroboskopische Effekt, welcher ebenfalls dafür eingesetzt werde, die Bevölkerung zu manipulieren und ohne ihr Wissen zu hypnotisieren. Höchst verdächtig: Er begegnet uns fast überall: in der Disco, während eines Krankentransportes (die Helfer in der Not würden das Blaulicht nicht etwa einschalten, um den Patienten auf schnellsten Weg ins Krankenhaus zu bringen – weit gefehlt, auch die Sanitäter würden verdeckt und ohne es zu wissen für diese Organisationen [wer auch immer] arbeiten). Und, dem zügellosen Fernsehkonsum sei Dank, dieser hochverdächtige stroboskopische Effekt begegnet der Bevölkerung während ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem „Fernsehglotzen“. Gut, bei Letzterem müsse man bedenken, dass die Fernsehgeräte in der Regel von Privatunternehmen hergestellt werden und nicht vom Staat – bei genauerem Betrachten und mithilfe einer Überdosis Verschwörungstehorie lässt sich auch das erklären: Denn, der Geschäftsführer wurde mit Schmiergeldern bestochen und ist außerdem Jude. Verschwörungstheorie Nummer vier: Erdbeben ist nicht gleich ErdbebenNachdem man (s)einen kurzen Crash-Kurs in Sachen Verschwörungstheorien erfolgreich absolviert hat, sollte man erkannt haben: Die Welt ist böse und gemein; traue nichts und niemanden, sei wachsam, trage dein Wissen mit Würde und vor allem: „Das Erdbeben auf Haiti war nicht etwa ein normales Erdbeben – natürlich nicht: Es war der Startschuss für einen weiteren Weltverschwörungsakt. Und was haben wir gelernt? Genau – die bösen Amerikaner, in enger Zusammenarbeit mit den Juden, geben sich mal wieder die Ehre, um ihr Unwesen zu treiben.“ So zumindest die „weitläufige“ Meinung der von antisemitischem Gedankengut inspirierten Verschwörungsgruppierungen. Zeichnend für diese Gruppen sind unter anderem auch das Leugnen des Holocaust sowie eine irrationale Weltsicht. Den Anhängern ist´s egal. Sie basteln eifrig weiter – an ihrer „leicht verschrobenen“ Weltsicht. Egal scheint ihnen auch zu sein, dass sie in einer Art sadistischer Manie Salz in offene Wunden streuen und damit das Leiden und Entsetzten verschlimmern. Auch ihr respektloses Verhalten allen Betroffenen gegenüber – ob Holocaust- oder Haiti-Opfer – scheint ihnen nicht recht bewusst zu sein. Wie auch, sie sind ja viel zu sehr damit beschäftigt, ihre innewohnenden Paranoien und Angstneurosen auf die Außenwelt zu projizieren. Das klassische Übertragungsphänomen leistet in solchen Fällen immer zuverlässige Arbeit. Verschwörungstheorie Nummer fünf: Es gibt einen ausgeklügelten PlanEine Frage wäre noch zu klären: Warum können die Verschwörungstheoretiker munter vor sich hin senieren, ohne dass besagte „Weltlenker“ versuchen würden, ihnen Einhalt zu gebieten? Kurz – warum hält sie keiner davon ab, ihr „geheimes Wissen“ an die Bevölkerung zu tragen und ihre Meinung offen kundzutun? Das wiederum liege nicht etwa am im Grundgesetz verankerten Recht zur freien Meinungsäußerung (das es ja ebenfalls nicht wirklich gebe), nein, auch das gehöre selbstverständlich zum ausgeklügelten Plan. Welchen? Wer weiß das schon, wichtig ist doch nur zu wissen: Es gibt einen, oder? – Wenn man es nicht besser wüsste, dann müsste man den Anhängern ja fast recht geben: Der stroposkopische Effekt scheint volle Arbeit geleistet zu haben. Die Gehirnerweichung im fortgeschrittenen Stadium beginnt über sich selbst nachzudenken und stellt fest: Der stroposkopische Effekt macht diese Gedankenakrobatik überhaupt erst möglich ... Und wer hat´s erfunden? Die Juden (mithilfe der Amis – oder umgekehrt?).
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